Als „Hüter des Herzens“ eines Verbrennungsmotors erfüllen Gusseisen-Kolbenringe unter extremen Bedingungen wie hohen Temperaturen, hohem Druck und hohen Drehzahlen eine entscheidende Dichtungsfunktion. Durch ihr präzises Zusammenspiel mit Zylinder und Kolben gewährleisten sie den effizienten und stabilen Betrieb des Motors. Aufgrund ihrer hervorragenden Gesamtleistung sind Gusseisen-Kolbenringe die am weitesten verbreitete Art von Kolbenringen.
I. Kernfunktionen: Abdichtung, Ölkontrolle, Wärmeleitung und Unterstützung
Gusseiserne Kolbenringe spielen im Motor vier unverzichtbare Schlüsselrollen:
- Dichtungsfunktion (Hauptaufgabe):
- Verhindert wirksam, dass heiße, unter hohem Druck stehende Gase aus dem Brennraum in das Kurbelgehäuse gelangen, und minimiert so den Gasverlust auf ein absolutes Minimum.
- DruckstufenDer erste Kompressionsring trägt etwa 76 % des Gasdrucks, dieser sinkt beim zweiten Ring auf 20 % und beim dritten Ring bleiben nur noch etwa 4 % übrig, wodurch eine effiziente „schrittweise“ Abdichtung entsteht.
- Ölkontrollfunktion:
- Der Ölabstreifring hat die Aufgabe, überschüssiges Schmieröl präzise von der Zylinderwand abzustreifen und dabei einen hauchdünnen Ölfilm zu hinterlassen, um eine optimale Schmierung zu gewährleisten und den Ölverbrauch zu kontrollieren. Diese Funktion ist in modernen Hochgeschwindigkeitsmotoren von entscheidender Bedeutung.
- Wärmeleitungsfunktion:
- 70–80 % der Wärme vom Kolbenboden werden über die Kolbenringe an die Zylinderwände zur Wärmeabfuhr abgegeben. Dies ist entscheidend, um die Kolbenbaugruppe auf einer geeigneten Betriebstemperatur zu halten und Überhitzungsschäden zu vermeiden.
- Unterstützungsfunktion:
- Verhindert den direkten Kontakt zwischen Kolben und Zylinderwand, gewährleistet so eine reibungslose Kolbenbewegung, reduziert die Reibung und verhindert Kolbenkippen.
II. Außergewöhnliche Eigenschaften von Gusseisen
Gusseisen ist aufgrund der perfekten Übereinstimmung seiner einzigartigen Eigenschaften mit den anspruchsvollen Anforderungen des Motors das ideale Material für Kolbenringe:
- SelbstschmierungDer Graphit im Gusseisen wirkt als natürliches Festschmiermittel, absorbiert Schmieröl und bietet unter Grenzschmierbedingungen hervorragende Selbstschmiereigenschaften.
- Hervorragende mechanische EigenschaftenHoher Elastizitätsmodul, geringe bleibende Verformung, notwendige Biegeermüdungsfestigkeit und angemessene Härte erfüllen die Leistungsanforderungen an ein elastisches Bauteil.
- Materialarten:
- GraugussDas Grundmaterial besteht typischerweise aus Kohlenstoff 3,1-3,5 %, Silizium 1,6-2,1 %, Mangan 0,6-1,0 % sowie geringen Mengen an Legierungselementen wie Chrom und Kupfer.
- Legiertes GusseisenDie Zugabe von Elementen wie Kupfer, Chrom und Molybdän sorgt für eine bessere Hitzebeständigkeit, Verschleißfestigkeit und Korrosionsbeständigkeit.
- Sphäroguss: Besitzt eine deutlich höhere Biegefestigkeit (80-120 kg/mm²) und einen höheren Elastizitätsmodul (15.000-17.000 kg/mm) als gewöhnliches Gusseisen und bietet dadurch eine hohe Schlagfestigkeit.
III. Herstellungsverfahren und Oberflächenbehandlungen
Präzise Fertigungsprozesse sind der Schlüssel zur Leistungsfähigkeit von Kolbenringen:
- Gießverfahren:
- Zu den wichtigsten Verfahren gehören das Ein-Stück-Gießen, das Fassgießen und das fortschrittliche geteilte elliptische Gießen (z. B. das deutsche Goetze-Verfahren), wobei letzteres Kernschrumpfungsfehler im Rohling effektiv beseitigt.
- Wichtige Oberflächenbehandlungstechnologien:
- VerchromungHohe Härte (700-1000 HV), niedriger Reibungskoeffizient, hohe Korrosionsbeständigkeit; kann die Lebensdauer des oberen Kolbenrings um das 3- bis 5-fache verlängern.
- Molybdänbeschichtung (Moly-Beschichtung)Molybdän besitzt einen hohen Schmelzpunkt (2620°C), eine hohe Härte (HV>700), einen niedrigen Reibungskoeffizienten, eine gute Wärmeleitfähigkeit, Verschleißfestigkeit und thermische Stabilität.
- PhosphatierungDie Phosphatbeschichtung bietet gute Ölhalteeigenschaften, was für das Einlaufen von Vorteil ist, und einen starken Rostschutz.
- Nitrieren: Bildet eine harte Nitridschicht auf der Oberfläche, deren Verschleißfestigkeit die einer Verchromung übertrifft; ein umweltfreundlicheres Alternativverfahren (z. B. Gasnitrieren, Plasmanitrieren, QPQ-Salzbadnitrieren).
IV. Haupttypen und Strukturmerkmale
Nach Struktur und Funktion werden Kolbenringe hauptsächlich in Kompressionsringe und Ölabstreifringe unterteilt:
- Kompressionsringtypen:
- Rechteckiger (einfacher) RingEinfache Struktur, gut für die Wärmeableitung, kann aber zu „Ölpumpen“ führen.
- Verjüngter GesichtsringLinienkontakt, gut zum Abdichten und Einlaufen, streift Öl nach unten und verteilt Öl nach oben.
- TorsionsdrehringVereint die Vorteile des Kegelrings und verhindert gleichzeitig das Pumpen von Öl. Die Einbaurichtung ist entscheidend.
- Trapezförmiger (Kegel-)RingGute Antihaft- und Dichtungseigenschaften, geeignet für Dieselmotoren mit hoher thermischer Belastung.
- Fasskopfring: Bildet sowohl bei Auf- als auch bei Abwärtsbewegungen einen Ölkeil, wodurch der Verschleiß reduziert wird.
- Ölabstreifringtypen:
- Ölabstreifring aus Gusseisen (einteilig)Einfache Struktur.
- Ölring für Stahlschiene (Segment).Besteht aus zwei verchromten Stahlschienen und einem Distanzstück. Hoher Anpressdruck, gute Anpassungsfähigkeit, große Ölrücklaufkanäle und hervorragende Ölabstreifleistung. Weit verbreitet.
V. Wichtige Punkte zu Installation und Wartung
Eine korrekte Installation und Wartung sind entscheidend für die Leistungsfähigkeit und Langlebigkeit:
- Drei wichtige Freigaben:
- Endspalt (Stoßspalt)Typischerweise 0,25-0,50 mm.
- Seitliches Spiel (Axialspiel in der Nut): Beim oberen Ring (aufgrund der hohen Temperatur) üblicherweise 0,04-0,10 mm.
- Hinterspiel (Radialspiel zwischen Ring und Nutgrund)Typischerweise 0,50-1,0 mm.
- Richtlinien für die Kerninstallation:
- Um eine „Labyrinth“-Dichtung zu erzeugen, müssen die Ringendspalten entlang des Umfangs versetzt angeordnet sein (z. B. im Abstand von 120° bei drei Ringen).
- Der verchromte Ring wird in die obere Nut eingesetzt.Die konische Fläche eines konischen Rings muss nach oben zeigen; die innere Fase oder Kerbe eines Torsionsrings zeigt üblicherweise nach oben.
- Die Spalte dürfen nicht mit der Kolbenbolzenbohrung oder der Richtung der Kolbenwirbelunterdrückung übereinstimmen.
- Wartungsinspektion:
- Die Arbeitsflächen müssen frei von Riefen, Kratzern oder Abplatzungen sein.
- Die Krümmungsabweichung sollte 0,02-0,04 mm nicht überschreiten.
- Die Standardverschleißgrenze (Einsinken in der Nut) sollte 0,15-0,25 mm nicht überschreiten.
Abschluss
Die Leistungsfähigkeit von Gusseisen-Kolbenringen bestimmt maßgeblich die Effizienz, Lebensdauer und Zuverlässigkeit eines Motors. Dank kontinuierlicher Fortschritte in der Materialwissenschaft und Fertigungstechnologie werden Gusseisen-Kolbenringe auch künftig unter extremen Betriebsbedingungen einen zuverlässigen Schutz für diverse Kraftmaschinen bieten und so die zuverlässige Funktion des Motors gewährleisten.
Veröffentlichungsdatum: 23. Oktober 2025
